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Müller, lass das Mahlwerk an!
zur Neige geht der Protz
auf der Kante zum Leben
nähte ich
meine Nische
mein Wunder in das All
für die nächst endliche Zeit

ich habe das Tosen in den Wind geschrien
flog zwischen sterbenden Himmeln umher
ich strich die Bläue aus
und sie lachten über längst verdorbene Dinge

jedweder Gedanke - zerschossen in Fragmente
Scherbenlese der Möglichkeiten
Mosaike von Andeutungen, Fetzen
vermengten sich mit dem Sand in der Uhr
bedeckten die zweigeteilten Hälften des Kokons
während ich mich erneut in Höhen verstieg
Kulturschalen
Müller! lass das Mahlwerk an

Zwischen Schlaf und Traum,
Zwischen mir und was in mir ist
Und was ich vermute zu sein,
Fließt ein unendlicher Fluss.

aus Entre o sono e sonho

eigentlich Fernando António Nogueira Pessoa, war ein portugiesischer Dichter und Schriftsteller. Veröffentlichungen unter Alberto Caeiro, Ricardo Reis, Álvaro de Campos und dem Pseudonym Bernardo Soares.
Er gilt als bedeutendster Lyriker Portugals; er ist einer der wichtigsten Dichter der portugiesischen Sprache und gehört zu den bedeutendsten Autoren des 20. Jahrhunderts.
* 13. Juni 1888 † 30. November 1935 in Lissabon

Einblick in “Das Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Bernardo Soares

Said (persisch سعید‎ * 27. Mai 1947 in Teheran) ist ein deutsch-iranischer Schriftsteller

einwärts gewachsene meere
an ihren entzündeten rändern
ein gemurmel
fluchtwurzel
der gnadenlose singular
der tod hausiert zwischen den zeilen
_______________________________

20.9.1989

und wenn ich dir
das geheimnis des ungeküssten mondes
einseitig ins haar flechte,
wächst dann der baum,
der von uns erzählt,
in unserem schatten?

aus dem Gedichtband Aussenhaut Binnenträume

Obligat die Szenerie
abgeschwatzt das Schöne
ins namenlose Schwarz

Wir haben billig geschöpft
aus darbenden Quellen
und finster getäut
den Rand des Meeres verhängt

Wir stemmten die Sterne in die Nacht
wir schälten das Funkeln im Fall
bedacht
fokussiert einen Punkt
Ball, Kopf
hindurch
geschlüpft

Welche Hälse sind zu füttern
und wieviel Mäuler mein?

Paul Celan 1920 - 1970

Aus der Hand frißt der Herbst mir sein Blatt: wir sind Freunde.
Wir schälen die Zeit aus den Nüssen und lehren sie gehn:
die Zeit kehrt zurück in die Schale.

Im Spiegel ist Sonntag,
im Traum wird geschlafen,
der Mund redet wahr.

Mein Aug steigt hinab zum Geschlecht der Geliebten:
wir sehen uns an,
wir sagen uns Dunkles,
wir lieben einander wie Mohn und Gedächtnis,
wir schlafen wie Wein in den Muscheln,
wie das Meer im Blutstrahl des Mondes.

Wir stehen umschlungen im Fenster, sie sehen uns zu von der
Straße:
es ist Zeit, daß man weiß!
Es ist Zeit, daß der Stein sich zu blühen bequemt,
daß der Unrast ein Herz schlägt.
Es ist Zeit, daß es Zeit wird.

Es ist Zeit.

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Corona Radiata


by nin

O Mensch! Gib acht!
Was spricht die tiefe Mitternacht?
“Ich schlief, ich schlief -,
Aus tiefem Traum bin ich erwacht: -
Die Welt ist tief,
Und tiefer als der Tag gedacht.
Tief ist ihr Weh -,
Lust - tiefer noch als Herzeleid:
Weh spricht: Vergeh!
Doch alle Lust will Ewigkeit -,
- will tiefe, tiefe Ewigkeit!”

aus:
Friedrich Nietzsche - Also sprach Zarathustra (1883-1891)

Armes reiches Kind,
dass Du mit Menschen spielen musst

belauernde Blicke voll Nervosität
wartend auf Spannung,
die sich entläd

verheißungsvolle Lügen
der Narr gekonnt spricht

faulige Ähren in düstrem Gesicht

fatal-berechnende Attraktion
für den Tageslohn

Marionetten-Moloch, kreuzverstrickt
karpfenmäulig erstickt

Verehrtes Hochseegericht!

Der Schmerz allein
sagt mir -
die Frucht vom Baum
der Erkenntnis
war nicht Jupiters Geschöpf
muss bitter gewesen sein

Der Zweifel nagt leise
auf seine ganz eigene Weise
die Ratten längst da
seht Ihr sie nicht?
zerkratzen mir
nächtens das Gesicht

Das Ungeziefer haust
mit Verzücken
in Euren Perücken
Hohes Gericht!
ich nehme das Urteil an
will fort
gehe freiwillig
von Bort

Ihr beherbergt
Diebe und Halunken
wie tief
seid Ihr gesunken?
Edelmänner -
gibt’s hier nicht
zuletzt klag’ ich Sie an,
olles Gericht!

LALALÜ

Ich steche nun allein in See
zu der Elephanten-Bay

Ein Lächeln, dass erwacht
bedacht

Es ist zu malen

Gefühl der Bewegung

Ich habe - und wundere mich darüber
nicht nur einmal an Dich gedacht

Ich sage: wer Lyrik schreibt, ist verrückt,
wer sie für wahr nimmt, wird es.

Sie hatten sich beide so herzlich lieb,
Spitzbübin war sie, er war ein Dieb.
Wenn er Schelmenstreiche machte,
Sie warf sich aufs Bett und lachte.

Der Tag verging in Freud und Lust,
Des Nachts lag sie an seiner Brust.
Als man ins Gefängnis ihn brachte,
Sie stand am Fenster und lachte.

Er ließ ihr sagen: O komm zu mir,
Ich sehne mich so sehr nach dir,
Ich rufe nach dir, ich schmachte -
Sie schüttelt’ das Haupt und lachte.

Um sechse des Morgens ward er gehenkt,
Um sieben ward er ins Grab gesenkt;
Sie aber schon um achte
Trank roten Wein und lachte.

H.H. 1797 - 1865


Ihr nennt mich stolz? Wer hat mich so gemacht?
Ihr selbst, die mich betrogen und verrathen!
Die Regung, die ihr schmäht, ist erst erwacht,
Als ich mein Thun verglich mit euern Thaten!

Ihr nennt mich stolz? O wüßtet ihr wie gern
Und freudenvoll der starre Stolz verschwände,
Vor einem Menschen, der, ein lichter Stern,
Hoch über mir und meinem Wesen stände. -

Betty Paoli (1814-1894)

Hommage an Peter Rühmkorf

in einem Land, wo Herzen schlafen

kann ich nicht sein

misstrauisch lieben

ist ein Widerspruch

in sich

graue Steine im Weg

male ich bunt

ein Jedes hat eigene Kraft

umhüllt

ich ziehe Kreide-Kreise

erwacht

Komm’ mir nicht zu Nahe

Halt Dich lieber an Dir fest

Vergeude Deine Zeit

Wenn Du mich nicht schätzt

Alles and’re wär nur billig

Und nicht in meinem Sinn

Pro und Contra

Himmelwelt

Schwarz-Weiß Gericht

Wenn der Regen fällt

Leiter hoch oder runter

Mir scheint’s lieber

Kunterbunter

Wenn alles aus den Fugen fällt

Fühl’ ich mich wohl

Komm’ ich bei mir an

Blitz und Donner

Schwarz-Weiß Gericht

Verspricht Himmelwelt

Wenn der Regen fällt

aus 2005

Stufen ins Bewußtsein drängt,
ist es Zeit für Veränderung

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf’ um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden…
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

Hermann Karl Hesse

wenn Lucille von den Zinnen fällt
Sonnenschein grell-bunt erhellt

eine Zuckerschale, von der der Elb kostete,
stand im Mittelpunkt des Geschehens
der Melodie, die entschwand, lauschend

zwei Seelen küssten beim Tanz

Vielleicht zu spät, als eine Krähe
unseren Morgen kappt. Ein Schlag.
Und ob sie fällt und ob sie weiterfliegt -
Ich frag zu laut, ob du noch Kaffee magst.
Dein Blick ist schroff, wie aus dem Tag gebrochen.
Es riecht nach Sand. Du fragst mich, ob ich wisse,
dass Krähen einmal weiß gefiedert waren.
Ich lösch die Zigarette aus, ich wünsch mich
weg von hier, ich möchte niemanden,
ich möchte höchstens einen andern sehen.
Du nennst mich: Koronis. Ich zeig zum Fenster:
Sieh doch, die Aussicht hat sich nicht verändert!
Was gehen dich die Stunden an, die du nicht kennst?
Ich will nur Mädchen sein, nicht in Arkadien leben.
Dein Nagel scharrt noch in der Asche,
doch du bist still, als wärst du fort.
Ich bin zu leicht für deine Mythen.

Nora Bossong (*1982)

hinter dem zerrissenen Stoff
der Eintritt zu den Kulissen
Gedanken wie Schlaufen aus dem Äther zu ziehen
die Luft bebte vor Elektrizität, überall ein flimmerndes Gewoge

der Greif hob seine Schwingen
trank vom roten Brunnen
tobend
zerstob die Glut

Wie die Wiederspiegelung des Mondes auf dem See
die Dunkelheit der Nacht romantisch verklärt,
blieb ich in der Verzauberung gefangen,
die bald einem Fluch glich

Dein Wille sich mir entgegenzusetzen
aus schlichter Widersprechung,
als müsse man mich bezwingen
Dein Spüren offensichtlich,
der Kampf verfehlt

Amazonen-Kriege
Kämpfe, so zornig
alles je geschehene Unrecht
in einem Moment
in einem Wort
in einem Gefühl
wie viele Königsmorde,
bevor der weiße Habicht erschienen ist?


Café Franck in Ehrenfeld

Wunderliches Wort: die Zeit vertreiben!
Sie zu halten, wäre das Problem.
Denn, wen ängstigts nicht: wo ist ein Bleiben,
wo ein endlich Sein in alledem? -

Sieh, der Tag verlangsamt sich, entgegen
jenem Raum, der ihn nach Abend nimmt:
Aufstehn wurde Stehn, und Stehn wird Legen,
und das willig Liegende verschwimmt -

Berge ruhn, von Sternen überprächtigt; -
aber auch in ihnen flimmert Zeit.
Ach, in meinem wilden Herzen nächtigt
obdachlos die Unvergänglichkeit.

- warum denn in die Ferne schweifen, wenn das Gute kommt alsbald -

So, 06.04.2008 ab 17 Uhr “Schöner Lesen” mit Jonas Jahn und Cris Revon
im Café Franck mit Texten, Torten, Heißgetränken

Herz wie ein Kolibri
das Tor öffnet sich
es ist ein Kreis,
ein Kreis in mir

mein Fastentext ( 2007 )

Die Nebelschleier haben sich inmitten der Nacht aufgelöst
Der Prozess, der dies bewirkte, dauerte Tage und Stunden
Vielleicht dauert er immer noch an, wird nie vergehen -
Vielleicht ist es das, was mit Leben umschrieben wird?

Durch den Flaschenhals geschlüpft,
betrachte ich ein Flussbett,
über das klares Wasser fließt.
Ich sehe den Grund.
Verwunderlich der Boden,
trockener Wüstenkarst,
tiefe Risse,
inselige Schollen erhobenen Materials.
Dieses Bild brennt sich mir ein,
ich kann den Blick nicht davon abwenden.
Das Wasser nehme ich
nach einer Zeit nicht mehr wahr;
als wenn man durch einen Wasserfall geht
und dahinter eine ruhige Höhle entdeckt –
nur sind dort keine Zeichnungen an den Wänden,
welche es zu entschlüsseln gilt.
Unter dem Gewässer spricht die Erde
Mit mir –
Sie erzählt die Geschichte meines Lebens.

ich sah heute Bilder aus Spanien / Expo 2008

durre-traum.jpg

so so, Sushi mit die Kollegen
trottoirpoesie.jpg
und Forum für Gedichte gibt’s auch > habe direkt einige dagelassen ( ob ich jetzt das Album gewinne? )

Es war nur eine Entscheidung, eine kleine Entscheidung von vielen;
wie eine Abfahrt auf der Autobahn, wie einmal links abbiegen.
Ein Blick, eine Entscheidung, ein Gefühl, ein Bild.
Ein Blick, der wie Meeresbrandung war - grünblaue Wasserströme,
die sich vermengen,
die sich an steilen, schroffen Küsten brechen
und zurückgeworfen werden.
Die Entscheidung diesen Blick wieder, nochmal erleben zu wollen.
Und das Gefühl als wäre alles andere nichtig;
als würde nur das Jetzt zählen und andauern.
Das Bild bleibt. Dein Bild. Es ist nur das Bild, was ich von Dir habe.
Aber es ist eine Momentaufnahme;
es ist wie eine von den vielen, kleinen Entscheidungen im Leben.
Ein Blick durch die Kamera. Ein Augenblick.

Fernsehgebrabbel der Medienklon-Generation, prozentgeschwenkt
getränkt, ertrunken in Grenzenlosigkeit

im zickzack-gewebten Muster fährt, fliegt die Spindel von rechts nach links.
Nietzsche-Zeiten sind angebrochen
und ein krankes Kind hat schlechten Geschmack im Mund.
wir hätten es besser in der Zukunft entschieden; nun drängt die Flut das Band in die Tiefe.
wenn Du versuchst dem Leben mehr zu entreissen, als es Dir gibt, erzeugst Du Sog.
es wäre klüger gewesen abzuwarten und auf etwas Bessres zu sinnen.
vielleicht solltest Du von Dir absehen lernen -
auf dass sie sich an Deine Fersen heften wollen!