- KÖLSCHE LETTER -

Oktober 31, 2009

Vorankündigung für Krefeld

Gespeichert unter: events, poetry — matha @ 8:54

– BIN AM 6.11. BEIM OPEN STAGE IN KREFELD AUF DER BÜHNE -

mit Percussion-Begleitung, ab 21 h im Asta-Keller

ich bin gespannt

Oktober 1, 2009

Das Trauerspiel von Afghanistan

Gespeichert unter: poetry, politics — matha @ 5:23

Der Schnee leis stäubend vom Himmel fällt,
Ein Reiter vor Dschellalabad hält,
„Wer da!“ – „Ein britischer Reitersmann,
Bringe Botschaft aus Afghanistan.“

Afghanistan! Er sprach es so matt;
Es umdrängt den Reiter die halbe Stadt,
Sir Robert Sale, der Kommandant,
Hebt ihn vom Rosse mit eigener Hand.

Sie führen ins steinerne Wachthaus ihn,
Sie setzen ihn nieder an den Kamin,
Wie wärmt ihn das Feuer, wie labt ihn das Licht,
Er atmet hoch auf und dankt und spricht:

„Wir waren dreizehntausend Mann,
Von Kabul unser Zug begann,
Soldaten, Führer, Weib und Kind,
Erstarrt, erschlagen, verraten sind.

Zersprengt ist unser ganzes Heer,
Was lebt, irrt draußen in Nacht umher,
Mir hat ein Gott die Rettung gegönnt,
Seht zu, ob den Rest ihr retten könnt.“

Sir Robert stieg auf den Festungswall,
Offiziere, Soldaten folgten ihm all’,
Sir Robert sprach: „Der Schnee fällt dicht,
Die uns suchen, sie können uns finden nicht.

Sie irren wie Blinde und sind uns so nah,
So lasst sie’s hören, dass wir da,
Stimmt an ein Lied von Heimat und Haus,
Trompeter blast in die Nacht hinaus!“

Da huben sie an und sie wurden’s nicht müd’,
Durch die Nacht hin klang es Lied um Lied,
Erst englische Lieder mit fröhlichem Klang,
Dann Hochlandslieder wie Klagegesang.

Sie bliesen die Nacht und über den Tag,
Laut, wie nur die Liebe rufen mag,
Sie bliesen – es kam die zweite Nacht,
Umsonst, dass ihr ruft, umsonst, dass ihr wacht.

„Die hören sollen, sie hören nicht mehr,
Vernichtet ist das ganze Heer,
Mit dreizehntausend der Zug begann,
Einer kam heim aus Afghanistan.“

Heinrich Theodor Fontane, 1819 – 1898

Juli 31, 2009

Krank

Gespeichert unter: poetry — matha @ 12:32

Wer gegen die Gesetze dieser Gesellschaft
nie verstoßen hat und nie verstößt
und nie verstoßen will
der ist krank

Und wer sich noch immer nicht krank fühlt
an dieser Zeit
in der wir leben müssen
der ist krank

Wer sich seiner Schamteile schämt
und sie nicht liebkost und die Scham
anderer die er liebt nicht liebkost ohne Scham
der ist krank

Wer sich abschrecken lässt
durch die die ihn krank krankhaft nennen
und die ihn krank machen wollen
der ist krank

Wer geachtet sein will
von denen die er verachtet
wenn er den Mut dazu aufbringt
der ist krank

Wer kein Mitleid hat
mit denen die er missachtet
und bekämpfen muss um gesund zu sein
der ist krank

Wer sein Mitleid dazu gebraucht
die Kranken nicht zu bekämpfen
die um ihn herum andere krank machen
der muss krank sein

Wer sich zum Papst der Moral
und zum Vorschriftenmacher
der Liebe macht
der ist so krank wie der Papst

Wer glaubt dass er Frieden haben kann
oder Freiheit
oder Liebe
oder Gerechtigkeit

ohne gegen seine Krankheit
und die seiner Feinde und Freunde
und seiner Päpste und Ärzte zu kämpfen
der ist krank

Wer weiß dass er weil er gesund ist
ein besserer Mensch ist
als die kranken Menschen um ihn herum
der ist krank

Wer in unserer Welt
in der alles nach Rettung schreit
keinen einzigen Weg sieht zu retten
der ist krank

Erich Fried

Juni 8, 2009

PoetryBrunch & Open Mic

Gespeichert unter: Cologne, events, keep on your mean side, photography, poetry — matha @ 7:39

@ „WEM GEHÖRT DIE WELT“
mit Limerick-Reim-Wettbewerb >
In den drei a-Zeilen folgen je drei Amphibracheis aufeinander (dadida = leicht – schwer – leicht), in den beiden b-Zeilen oft je zwei Anapäste (dadadi = leicht – leicht – schwer). Entscheidend beim Limerick ist die durch das Versmaß bedingte charakteristische Rhythmik. Die Regel „Reim dich oder ich fress dich!“ gehört für einige (vor allem deutsche) Dichter zum Spaß und sie verwenden auch Abweichungen vom Versmaß. Die meisten guten Limericks halten sowohl Reim als auch Versmaß ein, wobei das Versmaß Variationen in den jeweils ersten und letzten unbetonten Silben jeder Zeile zulässt. Dem ersten Fuß der letzten Zeile wird oft eine leichte Silbe vorangestellt, so dass der Vers scheinbar wie ein Anapäst beginnt. Der Schluss kann „männlich“ oder „weiblich“ sein.

Rhythmus- und (Reim)-Schema (Beispiele):

(da)dadida dadida dadida(da) (a)
(da)dadida dadida dadida(da) (a)
(da)dadida dadida(da) (b)
(da)dadida dadida(da) (b)
(da)dadida dadida dadida(da) (a)

oder

(da)dadida dadida dadida(da) (a)
(da)dadida dadida dadida(da) (a)
(da)dadi dadadi (b)
(da)dadi dadadi (b)
(da)dadida dadida dadida(da) (a)

oder (seltener):

dadi dadi dadadida(da) (a)
dadi dadi dadadida(da) (a)
dadi dadi [oder auch: di dadadi] (b)
dadi dadadi (b)
dadi dadadi dadadida(da) (a)

015024020029

April 30, 2009

Abschied

Gespeichert unter: poetry — matha @ 10:31

Ich habe Alles euch gegeben,
nun wollt ihr auch das Letzte noch:
nun soll ich knechten auch mein Streben,
zertreten mich für euer Joch?

Ich hab’ in mir um euch gerungen,
für mein Herz wollt’ ich eures auch,
Stolz, Liebe, Haß um euch bezwungen:
nun danket ihr nach altem Brauch!

Nun soll ich feige das Gefüge,
dran mitzurüsten ich geweiht,
verleugnen für die große Lüge,
an der sich jetzt berauscht die Zeit?!

Ja, eine Zeit gemacht zum Beten!
für jeden engsten Kreis ist heut
ein neuer Heiland uns von Nöten:
der alte starb, zu dem ihr schreit!

Doch nicht, daß man aus Luggeweben
die Dornenkrone selbst sich flicht:
ich habe Alles euch gegeben,
doch mein Gewissen geb’ ich nicht!

Richard Dehmel (1863-1920)

April 28, 2009

POETRY BRUNCH

Gespeichert unter: Cologne, events, poetry — matha @ 12:30

open-mic

Wegbeschreibung @ Wem gehört die Welt

- vom letzten Mal

April 27, 2009

QUARTALSROMANZE

Gespeichert unter: K-M-S, la musica, poetry, visuals — matha @ 10:50

- eine Liebesgeschichte in Gedichten -

ich habe es genannt:
Wie soll es heissen?

wenn aus Spiel Ernst
wenn von Moral keine Predigt
wenn Gefühl größer als Stolz
wenn nicht ein Reim gelingt
zögern, zweifeln
alles umgedreht
mehr entsteht

Zaubermorgen
verliebte Augen
erzärtlichtes Fühlen
ganz leise
bei Dir spüren

Winterliebe
Über mich hat es
EisGlasScherben geregnet.
Wenn ich inne halte,
weint mein Herz.
Warum ist der
Wasserfall erfroren?
Ich konnte doch
meinen Kelch dort
bislang immer füllen.
Ich bin Winterkind,
suche das Feuer

Schattenkreuzer
tiefes Schimmern im Brunnen
gewaltiges Schlingern der Gezeiten
der verwobenen Kreise Schnittmenge
er zeugt den rechten Sog

Mein Sommerspross!
Wer wird Dich nun erlösen, Dein rettend Spielball sein?
Wie die See, die Tide ist Deine Liebe.
Ich im Zwielicht?
Und Du Blume der Sonne in Frau Lunas Schein.
-wenn’s Wasser an die Klippen schellt,
die Boe Deinen Namen überhört,
wenn jeder Land sein eigen nennt
und nur die Sehnsucht Stricke spinnt,
Spekulationen überrinnt
und wieder Hoffen bringt-
Doch des Märchens Tribut zoll ich nicht allein.
Ich liebe auch Frauen, doch mädchenhafte Männer – nein.
Soll fortan Hermes nur Herrscher Deiner Seele sein!

April 23, 2009

Zwei Eimer sieht man ab und auf…

Gespeichert unter: literature, poetry — matha @ 11:10

Am 27. Dezember 1801 hatte Friedrich Schiller (1759-1805) die Übersetzung eines „tragikomischen Märchens“ des venezianischen Dramatikers Carlo Gozzi (1720-1806) abgeschlossen. Im Mittelpunkt des Märchenspiels „Turandot“ steht die gleichnamige chinesische Prinzessin. Um die in ganz Asien zum Sklavendasein verdammten Frauen zu rächen und selbst der Heirat zu entgehen, lässt die blutrünstige Turandot jeden Freier hinrichten, der ihre drei Rätsel nicht lösen kann.

Zwei Eimer sieht man ab und auf
In einem Brunnen steigen,
Und schwebt der eine voll herauf,
Muß sich der andre neigen.
Sie wandern rastlos hin und her,
Abwechselnd voll und wieder leer,
Und bringst du diesen an den Mund,
Hängt jener in dem tiefsten Grund;
Nie können sie mit ihren Gaben
In gleichem Augenblick dich laben.

Um dem Weimarer Publikum nach der Uraufführung am 30. Januar 1802 den Theaterbesuch schmackhaft zu machen, schrieb Schiller für jede Inszenierung neue Versrätsel. Das achte Versrätsel, bestimmt für die Aufführung am 24. April 1802, formuliert das Bild von den zwei gegenläufig schwebenden Eimern. Die richtige Lösung, von Schiller selbst in „Antwortgedichten“ enthüllt, lautet: „Der Tag ist’s und die Nacht, die nie gemeinsam sind.“

April 20, 2009

PoetryBites morgen

Gespeichert unter: Cologne, comedy, events, poetry — matha @ 12:43

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Jeden 3. Dienstag im Monat präsentiert PoetryBites zwei AutorenInnen, die mit ihren Texten den Abend einleiten. Anschließend ist das Mikrofon offen für alle, die eigene Texte, Songs, Sketche o.ä. vortragen möchten. Moderation Anke Fuchs

Dienstag, 21. April

Einlass 19:30, Beginn 20:30

Für Mitwirkende ist der Eintritt frei und es gibt ein Geschenk.

Zwoeinz, Hochstadenstr. 21, 50674 Köln

Homepage

April 19, 2009

meine Kunst ist Lyrik

Gespeichert unter: K-M-S, art, lyrics, poetry — matha @ 10:35

Ich schreibe, habe mich selbst mit Aleatoryn betitelt. Bei Auftritten nenne ich mich meist jedes Mal anders. Warum auch nicht?

Die Tätigkeit hier auf dem Blog umfasst einen kleinen Bruchteil. Inzwischen ist ein Berg von Text angewachsen, meistenteils Gedichte ( zu finden unter der Kategorie K-M-S )
Ich werde immer wieder auf eine Veröffentlichung angesprochen. Dies habe ich mir nun als Ziel vorgenommen. Wer helfen kann und möchte – bis zu meiner Lesung im Sommer meine Sammlung z.B. zu layouten, möge sich unter >ikarus10@gmx.net< melden.

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