Das Komitee ist eine Kooperation mit der Menschenrechtsorganisation Amnesty International eingegangen. Mit einem Persiflage-Wagen soll beim Rosenmontagszug das „Guantanamo-System“ kritisiert werden.
Die USA ruhen sich ruhigen Gewissens in einer Hängematte unter Palmen aus. Aber hinter ihrem Rücken geht das Foltern in anderen Gefängnissen weiter. Das wird auf einem bislang geheim gehaltenen Persiflage-Wagen im Rosenmontagszug dargestellt, der einen an eine Wand gehängten Gefangenen zeigt.
Nicht obwohl, sondern erst recht, weil das prominenteste Lager, in dem Häftlinge unter Menschen unwürdigen Bedingungen leben müssen, geschlossen werden soll, wird in dem Entwurf von Thomas Willmann mit dem Titel „Totale Globalisierung“ ein weltweites „Guantanamo-System“ kritisiert. Zu dem Thema entschied sich Zugleiter Christoph Kuckelkorn nach Beratungen mit der Menschenrechtsorganisation Amnesty International, mit der das Festkomitee dazu eine Partnerschaft geschlossen hat.

Der Wagen wird mit Gelb und Schwarz in den Farben einer aktuellen Amnesty-Kampagne bemalt. Auf der Rückseite wird neben dem Logo des Festkomitees das des Vereins zu finden sein. Dazu wird eine Weltkarte mit Punkten und Fragezeichen abgebildet. Sie stehen für bekannte und vermutete Orte von Gefängnissen mit ähnlichen Methoden. Anlass ist die UN-Menschenrechts-Charta, die vor 60 Jahren verabschiedet wurde.

Damit wird neben einem weiteren Wagen, auf dem ein chinesischer Drache einen tibetischen Mönch in einem Vogelkäfig zum Singen bringen will, im Zug ein besonders prekäres Thema der Weltpolitik berührt. Die Entscheidung dafür („Wir wollen wachrütteln.“) freut Thomas Willmann, der die Idee dazu schon im September hatte. Er sei froh, sagte der 44-jährige Neuehrenfelder Hobbykarikaturist, „dass Kuckelkorn cool genug ist, ein so heißes Eisen anzufassen“.

Als er die Bleistiftzeichnung mit dem Motiv einreichte, war Obama noch nicht gewählt. Dessen Entscheidung, Guantanamo zu schließen, bestärkt die Macher in ihrer Idee, „weil es an dem System nichts ändert“. Willmann beschäftigt diese Situation weiter – auch, weil er mit einer Mexikanerin verheiratet ist und die Zustände in anderen Ländern kennt.

Dawid D. Bartel von Amnesty International, der das Motiv am Mittwoch mit vorstellte, begrüßt die Art und Weise der Darstellung. „Es gibt den Befehl von Obama, aber noch sehr viele offene Fragen.“ Diesen Umstand im Karneval mit schwarzem Humor darzustellen, sei das geeignete Mittel. „Der Kölner Karneval steht in der Mitte der Gesellschaft. Hier ist der richtige Ort, um auf Missstände aufmerksam zu machen.“

Auch für Willmann ist Humor nicht immer uneingeschränkt fröhlich. „Ironie, Sarkasmus und Zynismus gehören genauso dazu.“ Die Karnevalsgesellschaft Alt Severin erklärte sich nach anfänglichen Diskussionen dazu bereit, den Wagen zu besetzen und damit im wörtlichen Sinne hinter der Aussage zu stehen. Präsident Hans-Jürgen Schmitz ist einer von vier Mitfahrern, weil er davon überzeugt ist, „dass Karneval die Aufgabe hat, der Obrigkeiten den Spiegel vorzuhalten“.

Anders als in anderen Städten fahren in Köln politische Persiflage-Wagen nie ohne Besatzung. Eine Umfrage des Festkomitees unter den ihm angeschlossenen Vereinen hatte ergeben, dass sich 70 Prozent mehr Provokation im Zug wünschen. Kuckelkorn: „Aber man muss man erst mal eine Gesellschaft finden, die sich dazu bereit erklärt.“

http://www.ksta.de/html/artikel/1233584043217.shtml

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